Integrativer Kindergarten

Integrativer Kindergarten

Was ist ein integrativer Kindergarten?

Allgemein gesprochen ist ein integrativer Kindergarten eine Einrichtung, in denen Kinder mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen gemeinsam in einer Gruppe mit Kindern ohne Beeinträchtigungen betreut werden.
Diese grundsätzliche Definition zeigt deutlich, wie facettenreich eine solche Betreuung aussehen kann und welchen Vorurteilen eine solche Einrichtung unterliegen mag, da allein schon der Begriff „Behinderung“ in unserer Gesellschaft sehr differenziert wahrgenommen wird.

Was bedeutet „Behinderung“

Laut Sozialgesetzbuch haben Menschen eine Behinderung, deren körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder seelische Auffälligkeiten länger als sechs Monate von dem altersgemäß zu erwartenden Zustand abweichen. Ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ist dadurch beeinträchtigt.

Von der Exklusion zur Integration

In den 60er und 70er Jahren erfolgte in der Pädagogik eine immer stärkere Differenzierung von Sondereinrichtungen, die Kinder mit verschiedenen Beeinträchtigungen (z.B. Gehörlosigkeit, Sprachstörungen u.s.w.) förderten. Diese Einrichtungen sorgten auf der einen Seite für besonderen Schutz und spezielle Förderung. Andererseits erschwerten sie den Kindern die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der unmittelbaren Umgebung und grenzte sie aus.

Vorteile integrativer Kindergärten

Für behinderte Kinder bietet ein integrativer Kindergarten die Chance, in der Nähe des Wohnortes den Kindergarten zu besuchen, Freundschaften zu knüpfen und am Alltag in der Umgebung teilzunehmen.
Nicht behinderte Kinder lernen von Anfang an, dass alle Menschen verschieden sind und jeder gemäß seinen Stärken und Schwächen akzeptiert und gefördert wird. Sie können ihre eigenen Stärken und Kenntnisse intensivieren, indem sie den Integrationskindern (ähnlich wie bei jüngeren Kindern) helfen oder ihnen Sachverhalte erklären. Andererseits erleben sie auch, dass Menschen mit Handicaps Stärken haben und sie von ihnen profitieren und Hilfe erhalten können.

Nachteile integrativer Kindergärten

Besonders wichtig ist, darauf zu achten, dass die Kinder mit einer Beeinträchtigung durch die täglichen Anforderungen und Förderungen nicht zu großem Stress ausgesetzt werden. Wobei sich hier zeigt, dass dies natürlich auch für die Kinder ohne Beeinträchtigungen gilt.
Ein Nachteil ist, dass je nach Träger der Einrichtung, die Betreuungskosten in einem integrativem Kindergarten höher sein können als in einem Regelkindergarten.

Pädagogisches Konzept integrativer Kindergärten

In integrativen Kindergärten werden alle Kinder bis zur Einschulung betreut. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Frühförderstellen und Therapeuten. Für Kinder mit Behinderungen werden externe Betreuer wie Integrationshelfer oder Integrationspädagogen, aber auch Logopäden oder Ergotherapeuten eingestellt, die die Kinder speziell fördern.
Das Grundanliegen der integrativen Kindergärten ist, das Zusammenleben von Kindern mit unterschiedlichen körperlichen, geistigen und seelischen Voraussetzungen zu ermöglichen.
Oberstes Ziel dieser Kindergärten ist die ganzheitliche Förderung der kindlichen Persönlichkeit und der kognitiven Fähigkeiten, die individuell an das Lerntempo der einzelen Kinder angepasst wird. Speziell die sozial-emotionale Entwicklung, wie zum Beispiel das Einfühlungsvermögen, wird in dieser besonderen Atmosphäre stark gefördert. Sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderungen werden zu Gemeinschaftsfähigkeit und Selbständigkeit erzogen. Vorurteile gegenüber Menschen mit Einschränkungen entstehen gar nicht, weil die Kinder Vielfalt als etwas Normales und Bereicherndes erfahren. Rücksicht und Toleranz werden nebenbei gelernt.

Kindergärten mit integrativer Gruppe

Nicht in jeder Kindergartengruppe müssen Integrationskinder betreut werden. Manchmal sind die räumlichen Bedingungen nicht in allen Gruppenräumen dazu geeignet, einem Kind mit Handicap gerecht zu werden (z.B.: Barrierefreiheit). Oft entscheiden sich Eltern von behinderten Kindern für den geschützen Rahmen einer Sondereinrichtung, um ihrem Kind die beste Förderung zu bieten. So entstehen Kindergärten mit integrativen Gruppen.

Betreuungsschlüssel im integrativem Kindergarten

Werden Integrationskinder in einer Kindergartengruppe aufgenommen, hat dies Auswirkungen auf den Betreuungsschlüssel, das heißt wie viele Kinder in eine Gruppe aufgenommen werden können. Der Betreuungsschlüssel kann zwischen den Trägern und Bundesländern variieren. Eine ungefähre Rahmenvorgabe sieht bei zwei Integrationskindern eine Gruppenstärke von 20 Kindern, bei drei Integrationskindern eine Gruppengröße von 18 Kindern und bei vier Kindern eine Gesamtzahl von 16 Gruppenkindern vor. In der Regel werden die Gruppen in den Kernzeiten von zwei Fachkräften betreut. Auch diese Zahl schwankt je nach Träger, Öffnungszeiten, Altersstruktur und pädagogischem Konzept des Kindergartens. Bei einem integrativen Kindergarten kommen zuzüglich der internen Fachkräfte noch die Fachkräfte hinzu, die das Integrationskind speziell betreuen.

Methoden im integrativem Kindergarten

Wie in jedem Kindergarten gilt auch im integrativem Kindergarten der Bildungsplan. Je nach Ausrichtung (Montessori, Reggio) des Kindergartens werden unterschiedliche Materialien bevorzugt. Prinzipiell findet aber überall ein Lernen mit allen Sinnen in den Bereichen Sprache, Mathematik, Medien, Naturwissenschaften, Musik, Religion, Kunst u.s.w. statt. Auch die Bewegungserziehung durch Sport und Freispiel sind Bestandteil jedes Kindergartens.

Wie wird ein Kind zum Integrationskind?

Soll ein Antrag auf Integration gestellt werden, muss die gesicherte Diagnose eines Spezialisten vorliegen. Je nach Beeinträchtigung entscheidet über den Antrag das Jugend- , Sozial- oder Gesundheitsamt. Ansteckende, chronische Krankheiten sind hierbei natürlich ausgeschlossen. Nicht jedes Kind kann in eine entsprechende Einrichtung integriert werden. Ein Abwägen der Vor- und Nachteile wird in jedem Fall individuell vorgenommen.

Immer mehr bestehende Regelkindergärten wandeln sich heute zu Integratioskindergärten, so dass immer häufiger Kinder mit Handicap heimatnah betreut werden können. Ein wertschätzendes Klima, geprägt von Toleranz und Respekt, bietet allen Kindern einen guten Start in unsere Gesellschaft.

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