Schlüsselkind

Wenn beide Elternteile berufstätig sind, ist das für Kinder nicht immer einfach. Solange Großeltern oder andere Verwandte in der Nähe leben, können Kinder nach der Schule dorthin gehen, bis abends die Eltern von der Arbeit kommen. Da die meisten Familien heutzutage aber nicht mehr so eng beieinander wohnen, ist das selten möglich. Tagesmutter oder -vater oder eine professionelle Ganztagsbetreuung leisten sich die wenigsten Familien, und in ländlichen Gegenden gibt es diese Betreuungsmöglichkeiten auch gar nicht. Wenn Kinder Schlüsselkinder sind, geht es oft einfach nicht anders. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen: Wenn Sie sich in der Familie dafür entschieden haben, dass Ihr Kind ein Schlüsselkind sein darf, dann ist das in Ordnung.

 

Schluesselkind alleine zuhause

Selbständig und doch behütet oder vernachlässigt und überfordert?

 

Ab dem ersten Schuljahr?

Wenige Kinder sind in der ersten Klasse schon reif genug, um mittags nach Hase zu gehen, sich ein Mittagessen zu machen und alleine zu bleiben. Zusammen mit der Umstellung von Kindergarten auf Schule ist das im ersten Schuljahr wirklich viel verlangt. Von Seiten des Gesetzgebers her liegt hier eine Verletzung der Aufsichtspflicht vor. Eltern können sich in dieser Situation behelfen,

  • indem sie bei Nachbarn oder Freunden anfragen, ob jemand wenigstens kurz nach dem Kind sehen kann.
  • indem sie sich zusammentun und Kinder mittags mit den Klassenkameraden nach Hause gehen anstatt alleine zu sein.
  • indem sie die Betreuungsangebote der Schulen nutzen, die inzwischen nahezu flächendeckend bestehen.

Kinder entwickeln sich unterschiedlich: Die einen trauen sich mit sieben Jahren schon, für ein paar Stunden allein zu Hause zu sein, die anderen haben mit zwölf Jahren noch Angst. Vertrauen Sie auf Ihr Kind. Ihr Kind weiß in der Regel selbst schon ganz gut, was es sich zutrauen kann. Seien Sie ehrlich, so dass Ihr Kind Ihnen auch vertraut und nicht aus Angst, Ihnen nicht zu gefallen, einer eigentlich inakzeptablen Regelung zustimmt.

Gut vorbereitet sein ist viel wert

Schlüsselkinder sind nicht unbedingt vernachlässigte Kinder. Eltern haben durchaus die Möglichkeit, sich um Schlüsselkinder sehr gut zu kümmern. Dazu gehört allerdings etwas Vorbereitung. Wenn Kinder mittags oder nachmittags aus der Schule kommen, haben sie die gleichen Bedürfnisse wie Erwachsene, wenn sie von der Arbeit kommen. Sie benötigen etwas Ruhe und Entspannung, Ablenkung. Sie brauchen eine gute, möglichst warme Mahlzeit und etwas zu trinken. Und sie wollen vielleicht kurz reden und erzählen, wenn etwas Besonderes vorgefallen ist. Ihrem Schlüsselkind können Sie all das ermöglichen:

  • Bereiten Sie am Abend das Mittagessen für den nächsten Tag zu. Nett auf einem Teller arrangiert und abgedeckt vor der Mikrowelle bereitgestellt, kann Ihr Kind sich das Essen selbst warm machen. Die Dose Ravioli oder Linsensuppe kann eine selbstgekochte Mahlzeit nicht ersetzen, denn Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Ein selbst zubereitetes Essen zeigt Ihrem Kind, dass es nicht alleine ist, dass Sie sich kümmern und in Gedanken bei Ihrem Kind sind.
  • Legen Sie ein Buch, eine CD, eine kleine Spielekonsole, die Fernbedienung für den Fernseher oder einen Brief auf dem Tisch bereit. Ihr Kind braucht etwas zur Entspannung, wenn es aus der Schule kommt. Klare Regeln erleichtern den Umgang mit den Medien. Eine halbe Stunde Fernsehen bei vorher abgesprochenen Programmen oder lesen oder Computerspielen ist okay, danach sind Essen und Hausaufgaben an der Reihe. Bei Computer und Fernseher hilft die Technik, Sie können die Geräte so programmieren, dass eine nicht abgesprochene Nutzung unmöglich ist.
  • Seien Sie erreichbar. Wenn etwas Wichtiges in der Schule vorgefallen ist, sollte Ihr Kind wissen, dass es Sie anrufen darf. Klassenarbeiten, Unfälle im Sportunterricht, böse Hänseleien und verlorene Turnbeutel sind wichtig genug, dass Sie sich fünf Minuten Zeit nehmen und am Telefon zuhören oder kurz über ein Chatprogramm mit Ihrem Kind kommunizieren. Alles weitere kann bis zum Abend warten.

Notfälle gibt es immer wieder

Um Schlüsselkinder machen sich Eltern Sorgen. Ist der Herd sicher? Was passiert, wenn das Kind fällt, sich verletzt, ein Unbekannter an der Tür klingelt? Bereiten Sie Ihr Kind auf die Situation vor. Ihr Kind sollte wissen, wo Desinfektionsmittel und Pflaster sind. Die Nummer Ihres Büros sollte ebenso neben dem Telefon oder im Handy vermerkt sein wie die Nummer einer zuverlässigen Nachbarin oder eines Freundes. Ihr Kind sollte außerdem wissen, wem es die Tür öffnen darf und wem nicht, und wie es mit einem ständig klingelnden Telefon umzugehen hat. Verhaltensregeln einfach nur einschärfen hilft aber nicht viel, Sie sollten die Situationen mit Ihrem Kind wirklich üben. Nur so bekommt das Kind die nötige Sicherheit, um im eintretenden Fall gut und sicher zu reagieren. Und natürlich dürfen Sie Ihrem Kind Dinge wie Telefonate entgegennehmen und die Tür für Besucher öffnen zutrauen, wenn Sie zu Hause sind. Das gibt Ihrem Kind die nötige Übung und Sicherheit, im Ernstfall auch allein klarzukommen. Das gilt auch für den Umgang mit heißen Herdplatten, Pflaster und Desinfektionsmittel sowie ein Kühlpäckchen gegen Beulen. Ihr Kind wird es genießen, wenn es sich selbst zu helfen weiß.

Nehmen Sie Ihrem Kind die Verantwortung ab

Schlüsselkinder sind sehr selbständig und müssen das auch ein Stück weit sein. Aber Sie sollten Ihrem Kind trotzdem zu spüren geben, dass Sie die Verantwortung tragen, nicht das Kind. Wenn Ihrem Kind ein Unglück geschieht, solange es alleine zu Hause ist, darf es sich auf keinen Fall schuldig fühlen. Sollte die Fensterscheibe im Wohnzimmer mit dem Fußball zertrümmert werden, der Hund sich auf den Badezimmerteppich erbrechen oder ein Teller herunterfallen und zerspringen: Das ist alles nicht schlimm. Das kann repariert und gereinigt werden. Schimpfen Sie nicht mit Ihrem Kind. Lassen Sie sich in Ruhe berichten, was vorgefallen ist, und beseitigen Sie den Schaden gemeinsam. Das ist eine Herausforderung für Sie nach einem langen Arbeitstag, und es ist verständlich, wenn Sie sich gestresst fühlen. Dennoch: Ihr Kind hat nichts davon mit Absicht getan. Solche Dinge passieren einfach, sogar bei Kindern, deren Eltern nicht in Vollzeit arbeiten. Wirklich.

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